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Private Altersvorsorge in Deutschland: Riester versus Rürup – Umfassender Leitfaden für Expats

Was sind die privaten Rentenpläne Riester und Rürup – und weshalb benötigen Expats sie?

Die Riester- und Rürup-Renten gelten als zentrale Säulen der dritten deutschen Rentenstufe und ergänzen die gesetzliche Rentenversicherung, die zunehmend durch Finanzierungsengpässe belastet ist. Für Expats bieten beide Modelle attraktive steuerliche Vergünstigungen sowie staatliche Subventionen, wenngleich sie unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.

So richtet sich die Riester-Rente primär an Arbeitnehmer und Familien mit Anspruch auf staatliche Zulagen, während die Rürup-Rente vor allem Selbstständigen mit einem umfassenden Steuerabzugskonzept zugutekommt. Expats müssen insbesondere die Vor- und Nachteile hinsichtlich ihrer beruflichen Mobilität und vertraglicher Bindungsfristen sorgsam abwägen.

Das deutsche Rentensystem basiert auf drei Säulen – staatlich, betrieblich und privat –, wobei Riester und Rürup die private Vorsorge stärken und so angesichts steigender Lebenserwartung die Rentenansprüche sichern. Besonders für Fachkräfte mit langfristigen Aufenthaltsplänen erweisen sich diese Konstrukte als vorteilhaft.

Aktuelle Statistiken dokumentieren für 2023 eine Zunahme der neu abgeschlossenen Rürup-Verträge um 14,2 Prozent auf 133.800 Policen, während Riester-Verträge aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten rückläufig sind. Expats evaluieren daher sorgfältig, welcher Vorsorgeweg für sie, auch unter Berücksichtigung eines eventuellen Auslandsaufenthalts, sinnvoller ist.

Was versteht man unter der Riester-Rente? Wesentliche Zugangsbedingungen für Expats

Die Riester-Rente ist ein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt, das sich vornehmlich an Arbeitnehmer richtet, die verpflichtend Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Expats qualifizieren sich für diese Förderung, sofern sie in die deutsche Sozialversicherung einzahlen.

Voraussetzung ist die regelmäßige Beitragszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung. Pflichtversicherte umfassen Arbeitnehmer bis zum Alter von 67 Jahren, welche keine volle gesetzliche Rente beziehen. Selbstständig Tätige können sich freiwillig in den Riester-Vertrag einschreiben.

Expats profitieren erleichtert durch einen unbefristeten Aufenthaltstitel oder die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedsstaates. Nicht-EU-Arbeitnehmer mit gültigem Arbeitsvisum sind ebenfalls anspruchsberechtigt; Familien erhalten darüber hinaus erhöhte Kinderzulagen.

Zur Überprüfung des persönlichen Rentenkontos wird die Deutsche Rentenversicherung empfohlen. Die Antragstellung sollte binnen eines Jahres nach Anspruchserwerb erfolgen, da Verzögerungen die Gewährung staatlicher Zuschüsse verzögern oder verhindern können.

Zulagen im Fokus: Staatliche Förderungen, die die Riester-Vorsorge erheblich erhöhen

Zulagen sind staatliche Zuschüsse zum Riester-Vertrag. Die Grundzulage beläuft sich auf 175 Euro pro Jahr und Person. Für Kinder gibt es eine zusätzliche Zulage von 300 Euro (bei Geburt ab 2008) bzw. 185 Euro (bei älteren Jahrgängen).

Rechtlich Berechtigte, die mindestens 60 Euro jährlich einzahlen, können Zulagen entgegennehmen. Die volle Förderung erfordert Beiträge in Höhe von 4 Prozent des Bruttoeinkommens, wobei der maximale Gesamtbetrag inklusive Zulagen bei 2.100 Euro liegt. Die Auszahlungen starten grundsätzlich ab 62 Jahren.

Ein Beispiel verdeutlicht dies: Eine vierköpfige Familie zahlt 1.925 Euro im Jahr ein und erhält dafür 2 Erwachsene mal 175 Euro sowie 2 Kinder mal 300 Euro als Zulage, insgesamt 1.050 Euro. Das ergibt jährliche Einzahlungen von 2.975 Euro.

Die Beantragung erfolgt über das Formular V0100 bei den jeweiligen Vorsorgeanbietern. Verzögerungen wirken sich unmittelbar auf die Zuschusszahlungen aus. Expats, die vor Rentenbeginn Deutschland verlassen, verlieren Anspruch auf zukünftige Zulagen.

Die Rürup-Rente (Basisrente): Optimal für selbstständige Expats

Die Rürup-Rente, auch als Basisrente bezeichnet, stellt eine private, jedoch an die gesetzliche Rentenversicherung angelehnte Vorsorgeform dar. Sie garantiert lebenslange monatliche Rentenauszahlungen ab dem 62. Lebensjahr, eine Kapitalauszahlung ist hierbei ausgeschlossen.

Grundsätzlich kann jeder abschließen, doch profitieren insbesondere Selbstständige und Hochverdiener von den steuerlichen Vorteilen. Der Jahresbeitrags-Höchstbetrag liegt 2025 bei 29.344 Euro, die als Sonderausgaben steuerlich absetzbar sind. Mit steigendem Einkommen erhöhen sich entsprechend die Steuereinsparungen.

Expats, die freiberuflich tätig sind, qualifizieren sich unkompliziert, da keine familiären oder sozialversicherungsrechtlichen Bindungen vorausgesetzt werden. Das eingezahlte Kapital unterliegt zudem einem Pfändungsschutz und garantiert somit besondere Sicherheit.

Im Jahr 2023 stiegen die Beitragssummen auf 502,8 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 22,7 Prozent entspricht. Die Beliebtheit resultiert vor allem aus der Renditeausrichtung am Kapitalmarkt im Gegensatz zu garantierten Leistungen.

Steuerliche Vorteile von Riester und Rürup: Für Expats attraktive Zahlen

Riester bietet direkte staatliche Zulagen, jedoch keine unmittelbaren Steuervorteile bei der Einzahlung. Beiträge sind steuerfrei gestellt, während die späteren Auszahlungen der Einkommensteuer unterliegen. Dieses Modell erweist sich besonders für niedrige und mittlere Einkommen als effektiv.

Die Rürup-Rente ermöglicht einen 100-prozentigen Abzug der Beiträge vom zu versteuernden Einkommen. Bei einem Steuersatz von 45 Prozent spart ein Steuerpflichtiger mit einem 10.000 Euro-Beitrag jährlich circa 4.500 Euro an Steuern. Die Rentenzahlungen werden im Alter oft niedriger besteuert.

Im Vergleich: Ein Riester-Beitrag von 5.000 Euro generiert 175 Euro Zulagen und unterliegt der Steuer bei Auszahlung. Rürup dagegen ermöglicht Steuerersparnisse von bis zu 2.250 Euro bei Hochverdienern sofort. Expats sollten eine individuelle Berechnung mittels Steuerrechner anstellen.

Eine weitere Option besteht in der Nutzung von Rürup zur Aufbesserung der gesetzlichen Rente bis zur steuerlichen Höchstgrenze abzüglich bereits geleisteter Beiträge.

Riester oder Rürup: Welches Produkt ist für Expats vorzuziehen?

Die Riester-Rente ist vor allem für Familien und Eigenheim-Besitzer geeignet. Die Ersparnisse können zum Immobilienerwerb genutzt und vererbt werden. Zudem bietet sie Schutz vor Hartz-IV-Anrechnung.

Die Rürup-Rente stellt das geeignete Modell für selbstständige Expats dar. Sie kennt keine Vererbung, gewährt keinen vorzeitigen Zugriff und sichert eine lebenslange Rentenzahlung. Diese Eigenschaften verbinden sich mit hohen Sicherheiten und steuerlichen Vorteilen.

Tabellarischer Vergleich:

Merkmal Riester Rürup
Zielgruppe Arbeitnehmer, Familien Selbstständige
Zulagen Zulagen von 175€ plus 300€/Kind Steuerabzug bis zu 29.344€
Flexibilität Hoch: Hauskauf und Vererbung möglich Niedrig: ausschließlich lebenslange Rente
Kosten Relativ hoch Variabel, Fondsoptionen

Für Expats gilt: Riester empfiehlt sich bei Aufenthalten über 20 Jahre, Rürup eher für die sofortige Steuerersparnis.

Frühzeitige Kapitalentnahme bei Riester und Rürup – ist das möglich?

Eine vorzeitige Auszahlung der Riester-Rente vor dem 62. Lebensjahr führt zum Verlust der Zulagen, ausgenommen bei dauerhafter Erwerbsminderung oder Todesfall. Zudem sind sämtliche erhaltenen Zulagen zuzüglich Zinsen zurückzuzahlen.

Die Rürup-Rente erlaubt keinerlei frühzeitigen Zugriff: Keine Kredite, Vertragsverkäufe oder Kapitalauszahlungen sind zulässig, um den langfristigen Altersvorsorgecharakter zu gewährleisten.

Für einen vorzeitigen Riester-Rücktritt ist eine Meldung beim Anbieter notwendig sowie die Rückzahlung der Zulagen innerhalb von zwei Jahren. Verstöße können rechtliche Konsequenzen bis ins Ausland nach sich ziehen. Expats sollten dies nur in Notfällen in Betracht ziehen.

Als Alternative bietet sich das Konzept des Wohn-Riester an, welches eine Verwendung der Mittel zum Immobilienerwerb ohne vollständige Sanktionen erlaubt.

Vergleich führender Anbieter: Auswahl zwischen Riester und Rürup

Riester-Verträge werden beispielsweise von Allianz und AXA angeboten, meist als klassische Versicherungen mit 100%-Garantie und verhältnismäßig niedrigen Renditen von circa 0,25%. Fonds- und ETF-basierte Lösungen bieten hingegen höhere Wachstumspotenziale bei größerem Risiko.

Rürup-Produkte bieten unter anderem Deutsche Bank und Signal Iduna an. Es empfiehlt sich, kostengünstige Fondsvarianten zu wählen und teure klassische Tarife zu vermeiden. Vergleichsportale wie Check24.de unterstützen die Entscheidung.

Hohe Verwaltungsgebühren beeinträchtigen die Rendite von Riester (ca. 2%). Im Gegensatz hierzu profitieren Rürup-Fonds 2023 von der positiven Entwicklung am Kapitalmarkt stärker.

Expats sollten kritisch auf die BaFin-Zulassung der Anbieter achten und sich bei der Entscheidungsfindung auf GDV-Leistungsstatistiken stützen.

Lohnt sich die Riester- und Rürup-Rente bei Auswanderung?

Verlassen Expats Deutschland vor Vollendung des 62. Lebensjahres, verlieren sie ihre Riester-Zulagen. Eine weitere Beitragszahlung im Ausland ist möglich, jedoch ohne Anspruch auf weitere staatliche Förderung. Auszahlungen unterliegen deutscher Steuerpflicht.

Die Rürup-Rente ist hingegen weltweit verfügbar: Beiträge können von jedem Ort eingezahlt und die lebenslange Rente global empfangen werden, ohne an einen Wohnsitz gebunden zu sein.

Konkretes Szenario: Ein Expat, der nach zehn Jahren Deutschland verlässt, behält beim Riester-Vertrag sein Kapital abzüglich eventueller Strafabzüge; die Rürup-Rente wird uneingeschränkt als lebenslange Auszahlung gewährt. Beide Modelle lohnen sich vor allem bei längerem Verbleib.

Ab Januar 2026 sind Reformen vorgesehen, die niedrigere Gebühren und verbesserte Fonds versprechen. Es empfiehlt sich, vor Auswanderung bei der Verbraucherzentrale sowie anhand einer Umzugs-Checkliste umfassend zu informieren.

Wie verhält sich die Rente bei Wegzug? Ausstiegsstrategien für Expats

Riester-Verträge laufen weiter und können ab 62 ausgezahlt werden. Rentenbezüge aus dem Ausland unterliegen der deutschen Steuerpflicht. Erben haben Anspruch auf einen Teil des angesparten Kapitals.

Die Rürup-Rente garantiert lebenslange Rentenzahlungen weltweit. Es gibt keine Vererbung, jedoch erhalten Ehepartner eine Weiterzahlung von 60 bis 100%.

Der Prozess umfasst unter anderem die Meldung der Adressänderung über das Finanzamt. Doppelbesteuerungsabkommen, beispielsweise zwischen den USA und Deutschland, gewährleisten Steuerentlastungen. Verzögerungen sind zu vermeiden.

Expats über 50 wird ein Wechsel zu flexibleren privaten Versicherungsprodukten empfohlen. Die App Pensionfriend erleichtert die Verwaltung und Übersicht.

Sources

  1. xpert.digital
  2. pensionfriend.de
  3. iamexpat.de
  4. perfinex.de
  5. ipe.com
  6. crcie.com
  7. bundesregierung.de
  8. fallerfinance.com
  9. feather-insurance.com
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