Photo by Mark König on Unsplash
Die deutsche Lohnabrechnung korrekt zu verstehen, ist für Expats wichtig, um die Finanzen im Blick zu behalten. Dieser Leitfaden erklärt Brutto und Netto, wichtige Abzüge wie Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag sowie Vorteile wie Betriebsrenten. So lernst du dein Nettogehalt zu berechnen und verstehst, warum die erste Lohnabrechnung anders aussieht.
Warum deine deutsche Lohnabrechnung so anders als zu Hause ist
Auf deiner deutschen Lohnabrechnung findest du Bruttogehalt, Steuern und Sozialabgaben genau aufgelistet. Viele Expats bemerken, dass bis zu 40% vom Brutto abgezogen werden, sodass das Nettogehalt auf deinem Konto landet[2][7]. Das liegt an der umfassenden Sozialversicherung in Deutschland.
Brutto bezeichnet dein Gesamteinkommen vor Abzügen. Netto ist das, was nach Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen übrig bleibt. Bei 4000 Euro Brutto bekommst du in Steuerklasse 1 zum Beispiel etwa 2400 Euro Netto[2].
Die Lohnabrechnung enthält auch Arbeitgeberdaten, deine Steuerklasse sowie die Abrechnungsperiode. Kontrolliere diese Angaben zuerst, um Fehler zu vermeiden[3]. Ein häufiger Fehler ist, die Steuerklasse nicht zu beachten, was die Abzüge stark beeinflusst.
Brutto versus Netto: Das Wesentliche auf deiner Lohnabrechnung
Brutto ist dein Gehalt inklusive Grundlohn, Überstunden und Boni. Es bildet die Grundlage für alle Berechnungen auf deiner deutschen Lohnabrechnung[1][3]. Netto ist Brutto minus Steuern und Sozialabgaben.
Insgesamt kannst du mit 35 bis 45% Abzügen rechnen. Das hängt von Einkommen, Steuerklasse und Wohnort ab[2]. Zum Beispiel zahlen Singles in Steuerklasse 1 mehr Lohnsteuer als Verheiratete in Klasse 3.
Eine grobe Formel lautet: Netto ≈ Brutto × (1 – 0,40). Für genaue Berechnungen eignen sich offizielle Tools wie der BMF Steuerrechner[externer Link]. Viele Expats übersehen die Gehaltsumwandlung, die das steuerpflichtige Brutto senkt[2].
Steuerabzüge auf deiner Lohnabrechnung verstehen
Der größte Anteil der Abzüge auf deiner deutschen Lohnabrechnung sind Steuern. Die Lohnsteuer ist progressiv und richtet sich nach Steuerklasse sowie Einkommen[1][3]. Für die meisten ist sie der größte Abzug.
Der Solidaritätszuschlag (Soli) beträgt 5,5% der Lohnsteuer und dient der Finanzierung der Wiedervereinigung. Für niedrige Einkommen wurde er seit 2021 abgeschafft, erscheint aber bei höheren Einkommen weiterhin[3][5]. Kirchensteuer fällt an, wenn du Mitglied einer Kirche bist, mit 8–9% der Lohnsteuer[1].
Beispiel: Bei 3000 Euro Brutto in Steuerklasse 1 werden ca. 500 Euro Lohnsteuer, 28 Euro Soli und 40 Euro Kirchensteuer abgezogen. Kirchensteuer kannst du über Kirchensteuer.de abmelden, falls zutreffend. Ein häufiger Fehler ist, die Steuerklasse nach Heirat nicht anzupassen, was zu Überzahlungen führt.
Sozialversicherungsbeiträge: Wofür du wirklich zahlst
Die Sozialversicherung macht etwa 40% vom Brutto aus, geteilt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auf deiner deutschen Lohnabrechnung findest du Beiträge für Krankenversicherung (KV), Rentenversicherung (RV), Arbeitslosenversicherung (AV) und Pflegeversicherung (PV)[1][4].
Die Krankenversicherung kostet insgesamt 14,6% (7,3% Arbeitnehmeranteil) plus einen Zusatzbeitrag von 0,3 bis 1,7%[1][5]. Die Rente wird mit 18,6% (9,3% Arbeitnehmeranteil) berechnet. Arbeitslosenversicherung beträgt 2,5% (1,25% Arbeitnehmeranteil), Pflegeversicherung 3,4% (1,7% Arbeitnehmeranteil, Kinderlose zahlen 0,6% mehr).
Je nachdem bist du öffentlich oder privat versichert. Private Versicherungen rechnen separat ab; der Arbeitgeber zahlt die Hälfte als Zuschuss (AG-Zuschuss)[5]. Vergleiche deinen Anteil (AN-Anteil) mit dem Anteils des Arbeitgebers (AG-Anteil).
Wie die Krankenversicherung auf deiner Lohnabrechnung berechnet wird
Der Krankenversicherungsbeitrag variiert je nach Anbieter auf deiner deutschen Lohnabrechnung. Bei der gesetzlichen Versicherung sind es 14,6% plus Zusatzbeitrag, gedeckelt bei 5362 Euro monatlich (2024)[5]. Der Arbeitnehmer zahlt die Hälfte.
Privatversicherte Expats sehen oft keine direkten Abzüge. Stattdessen zahlt der Arbeitgeber den Zuschuss auf dein Brutto, während du deine Prämie komplett selbst begleichst[5]. Das erhöht das steuerpflichtige Einkommen leicht.
Prüfe deine Abrechnung folgendermaßen: 1) Suche den KV-Beitrag. 2) Beachte die Aufteilung zwischen Arbeitnehmer (AN) und Arbeitgeber (AG). 3) Vergleiche mit deiner Versicherungsabrechnung. Freiberufler zahlen die Beiträge komplett allein.
Betriebliche Altersvorsorge (bAV) und Vermögenswirksame Leistungen (VL)
bAV (betriebliche Altersvorsorge) ist eine vom Arbeitgeber geförderte Rente auf deiner deutschen Lohnabrechnung. Die Beiträge werden meist vor Steuern abgeführt, weil sie durch Gehaltsumwandlung das zu versteuernde Einkommen senken[1].
Vermögenswirksame Leistungen (VL) sind Arbeitgeberleistungen von etwa 40 Euro pro Monat plus eigene Einzahlungen des Arbeitnehmers. Der Betrag wird steuerfrei bis zu einer bestimmten Grenze angespart[1]. Üblich sind 3–5% des Bruttogehalts, die so umgewandelt werden.
Diese Leistungen sind bis zum Rentenalter gebunden und werden manchmal staatlich gefördert. Beachte, dass die Rentenversicherungsbeiträge (RV-Beitrag) separat von der bAV berechnet werden. Ein verbreiteter Fehler von Expats ist die vorzeitige Auszahlung, die Steuern oder Strafen nach sich zieht.
Warum deine erste Lohnabrechnung komplett anders aussieht
Die erste deutsche Lohnabrechnung hat oft hohe Abzüge, weil noch keine Beiträge gezahlt wurden. Außerdem können anteilige Gehälter, einmalige Gebühren oder eine vorläufige Steuerklasse Unterschiede verursachen[2].
Im zweiten Monat findest du meist Korrekturen durch den Lohnsteuerjahresausgleich. Außerdem erscheinen jetzt eventuell Reisekosten oder Sachbezüge erstmals[1][4]. Beispiel: 4500 Euro Brutto im ersten Monat ergeben etwa 2200 Euro Netto, werden später meist rund 2500 Euro netto.
Fehler solltest du innerhalb von drei Monaten bei der Personalabteilung melden. Melde deine Steuerklasse beim Bürgeramt korrekt an, um Probleme zu vermeiden. Ein häufiges Problem bei Expats ist die fehlende Steuer-Identifikationsnummer, welche den Prozess verlangsamt.
13. und 14. Monatsgehalt: Boni auf der Lohnabrechnung
Viele Arbeitsverträge enthalten 13. und 14. Monatsgehälter, oft genannt Prämien oder Weihnachtsgeld. Diese Gelder werden mit dem regulären Steuersatz, meist im Dezember, versteuert[3]. Sie sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber in Branchen wie der Metallindustrie üblich.
Auf der Lohnabrechnung stehen sie als Teil des Gesamtbruttos und erhöhen dadurch vorübergehend die Steuerabzüge. Beispiel: 3000 Euro Monatsgehalt plus 3000 Euro 13. Gehalt bedeutet mehr Lohnsteuer im entsprechenden Monat. Verhandlungs-Tipps gibt es in [INTERNAL: Job Offer Negotiation Guide].
Wenn Expats mitten im Jahr ausscheiden, verlieren sie oft einen anteiligen Anspruch auf diese Boni. Prüfe deinen Vertrag genau und klage notfalls vor Gericht, wenn dir Boni zu Unrecht vorenthalten werden.
Schritt-für-Schritt: Wie du dein Nettogehalt berechnest
Um dein Netto zu schätzen, addiere Brutto und Zulagen, ziehe steuermindernde Beträge ab. Ziehe danach Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ab. Schließlich kommen die Arbeitnehmeranteile der Sozialversicherung hinzu[2].
Formel: Netto = Steuer-Brutto – Steuern – Sozialversicherungsanteile. Nutze Tools wie Lohnsteuer-Kompakt oder ein Excel-Sheet. Beispiel-Tabelle:
| Posten | Betrag (€ 3.000 Brutto) |
|---|---|
| Lohnsteuer | 450 |
| Soli | 25 |
| Sozialabgaben (Arbeitnehmer) | 600 |
| Netto | 1.925 |
Beachte zudem die bAV und private Krankenversicherung. Die Jahresabrechnung erstattet zu viel gezahlte Beträge häufig zurück.
Häufige Fehler von Expats mit der deutschen Lohnabrechnung
Viele vergessen, nach der Heirat die Steuerklasse zu ändern und zahlen so unnötig viel Lohnsteuer. Die Lösung ist, eine Lohnsteuererklärung über Elster bis zum 31. Juli einzureichen[interner Steuerlink].
Manchmal werden Sachbezüge wie Firmenwagen auf dem Lohnzettel nicht beachtet. Bei privater Krankenversicherung solltest du kontrollieren, dass der Arbeitgeberzuschuss mit deinem Beitrag übereinstimmt. Bei Fragen hilft das Finanzamt unter 0800 423 4040.
Vermögenswirksame Leistungen sollten sorgfältig verfolgt werden, um Ansprüche geltend zu machen. Siehe [INTERNAL: Taxes in Germany Guide] für die Steuererklärung. Fehler können zu einer Rückzahlung von über 500 Euro pro Jahr führen.





