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Was versteht man unter einem Girokonto und warum ist es unverzichtbar?
Ein Girokonto stellt das grundlegende Zahlungskonto im deutschen Finanzsystem dar. Es bildet das Fundament für sämtliche finanzielle Transaktionen im Alltag. Ohne ein Girokonto können Gehaltszahlungen nicht empfangen, Mietverträge nicht abgeschlossen und Lastschriften für Versorgungsleistungen oder Versicherungen nicht eingerichtet werden. Die meisten Bankkonten für Expats sind Girokonten mit IBAN, Debitkarte und Online-Banking-Zugang. Arbeitgeber fordern die IBAN bereits am ersten Arbeitstag, und Vermieter verlangen in der Regel ein deutsches Konto, bevor sie die Wohnungsschlüssel übergeben. Praktisch gesehen ist das Girokonto die Voraussetzung für nahezu alle weiteren Schritte.
Deutsche Banken offerieren verschiedene Kontotypen: Das Girokonto deckt die alltäglichen Zahlungsbedürfnisse ab, während Tagesgeldkonten als verzinste Sparkonten fungieren und Festgeldkonten das Kapital für einen festen Zeitraum binden. Für den täglichen Gebrauch ist das Girokonto ausreichend; alle weiteren Konten sind fakultativ.
Ist die Eröffnung eines deutschen Bankkontos ohne Anmeldung möglich?
Grundsätzlich ja, allerdings sind die Optionen stark eingeschränkt. Die Anmeldung beim Bürgeramt gilt als offizieller Wohnsitznachweis, den traditionelle Banken in der Regel verlangen. Einige digitale Banken ermöglichen jedoch die Kontoeröffnung mittels alternativer Identifikationsverfahren. N26 akzeptiert beispielsweise den Reisepass in Kombination mit einer Video-Identifikation, ohne dass eine Anmeldung vorliegen muss. Revolut bietet ein ähnliches Verfahren an, wobei es sich hierbei um ein litauisches Konto handelt.
Der Nachteil besteht darin, dass manche Vermieter und Arbeitgeber weiterhin ein deutsches IBAN-Konto bei einer Bank mit physischer Präsenz bevorzugen. Expats eröffnen daher häufig zunächst ein digitales Konto und wechseln nach Erhalt der Anmeldung zu einer traditionellen Bank, um langfristige Stabilität zu gewährleisten.
Welche Online-Banken sind für englischsprachige Expats am besten geeignet?
Digitale Banken haben sich als bevorzugte Wahl für viele Expats etabliert, da sie vollständig englischsprachige Benutzeroberflächen, schnelle Kontoeröffnungen und geringe Gebühren bieten. N26 ist hierbei der Marktführer. Die App ist komplett auf Englisch verfügbar, und die Kontoeröffnung erfolgt in etwa acht Minuten mittels Reisepass und Video-Identifikation. Die deutsche IBAN wird unmittelbar bereitgestellt. Das Standardkonto ist kostenfrei, mit sofortiger virtueller Debitkarte und physischer Karte per Post.
Revolut stellt eine weitere attraktive Option dar, mit Multiwährungskonten, gebührenfreiem Auslandseinsatz und englischsprachiger Oberfläche. Allerdings ist die IBAN litauisch, was bei einigen deutschen Arbeitgebern und Vermietern auf Ablehnung stößt. Revolut eignet sich daher eher als Zweitkonto. Wise (ehemals TransferWise) bietet ein grenzüberschreitendes Konto mit niedrigen Wechselgebühren, jedoch ohne die vollständigen Girokonto-Funktionalitäten, die für Miete und Gehalt erforderlich sind.
ING-DiBa, die digitale Tochter der ING, bietet ein deutsches Girokonto mit englischem Support. Als traditionelle Bank mit digitalem Fokus stellt sie eine deutsche IBAN, eine kostenlose Debitkarte und ein Tagesgeldkonto mit moderaten Zinsen bereit. Die Kontoeröffnung erfolgt online, erfordert jedoch oft eine Postident-Verifizierung, die zeitlich aufwendiger ist als die Video-Identifikation bei N26.
Deutsche Bank oder Commerzbank – welche Wahl ist sinnvoll?
Traditionelle Banken behalten in bestimmten Situationen ihre Relevanz. Deutsche Bank und Commerzbank verfügen über die größten Filialnetze in Deutschland und bieten umfassende Dienstleistungen wie Hypotheken, Investmentprodukte und Geschäftskonten an. Für langfristige Aufenthalte, Immobilienkäufe oder Unternehmensgründungen ist eine Beziehung zu einer traditionellen Bank von Vorteil.
Das Standard-Girokonto der Deutschen Bank kostet monatlich 6,90 EUR, wobei die Gebühr bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 700 EUR entfällt. Die Commerzbank erhebt dieselbe Gebühr mit identischen Befreiungsbedingungen. Beide Banken verfügen über englischsprachiges Personal in größeren Städten, jedoch sind ihre Apps und Online-Banking-Plattformen überwiegend deutschsprachig. Die Commerzbank hat ihren englischen Support in den letzten Jahren verbessert, während die Deutsche Bank nur eingeschränkte englische Funktionen bietet.
Der wesentliche Vorteil dieser Banken liegt in ihrer physischen Präsenz, die persönliche Beratung bei komplexen Anliegen ermöglicht. Zudem genießen sie bei Vermietern und Arbeitgebern hohes Vertrauen. Nachteile sind höhere Gebühren, langsamere Prozesse und weniger ausgereifte digitale Angebote. Für die meisten Expats reicht eine digitale Bank in den ersten Jahren aus.
Vergleich der monatlichen Gebühren deutscher Bankkonten
Die Gebührenstruktur variiert erheblich. Kostenlose Konten existieren, sind jedoch oft an Bedingungen geknüpft. Bezahlte Konten bieten erweiterte Leistungen. Nachfolgend ein Vergleich gängiger Konten für Expats.
| Bank | Monatsgebühr | Befreiung | Englische App | Deutsche IBAN |
|---|---|---|---|---|
| N26 Standard | Kostenlos | Keine | Ja | Ja |
| N26 You | 9,90 EUR | Keine | Ja | Ja |
| N26 Metal | 16,90 EUR | Keine | Ja | Ja |
| Revolut Standard | Kostenlos | Keine | Ja | Litauisch |
| ING-DiBa | Kostenlos | Keine | Teilweise | Ja |
| Commerzbank | 6,90 EUR | 700 EUR monatlich | Begrenzt | Ja |
| Deutsche Bank | 6,90 EUR | 700 EUR monatlich | Begrenzt | Ja |
| DKB | Kostenlos | Keine | Nur Deutsch | Ja |
| Volksbanken / Sparkassen | 5-10 EUR | Filialabhängig | Selten | Ja |
Hinweis: Das kostenlose N26 Standard-Konto umfasst eine virtuelle Karte und Basisfunktionen. Bezahlte Konten bieten zusätzlich Reise- und Telefonversicherungen sowie höhere Abhebungslimits. Die DKB ist eine vollständig digitale Bank ohne Gebühren, jedoch ausschließlich mit deutschsprachiger Oberfläche. Volksbanken und Sparkassen sind regionale Genossenschafts- und Sparkassenbanken mit variierenden Gebühren und Leistungen je nach Filiale. Einige bieten kostenfreie Konten für Studierende oder Auszubildende an.
Ist eine SCHUFA-Prüfung für die Kontoeröffnung erforderlich?
Nicht zwingend. Die SCHUFA ist die deutsche Auskunftei für Kreditwürdigkeit. Traditionelle Banken führen bei Girokonto-Anträgen in der Regel eine SCHUFA-Abfrage durch. Fehlt eine deutsche Kreditgeschichte, ist der SCHUFA-Score neutral oder niedrig. Dies verhindert meist nicht die Kontoeröffnung, schränkt jedoch den Zugang zu Überziehungskrediten ein. Einige Banken, insbesondere Volksbanken und Sparkassen, lehnen Antragsteller mit negativen SCHUFA-Einträgen ab.
Digitale Banken wie N26 und Revolut verlangen für Basiskonten keine SCHUFA-Prüfung, was sie bei neuen Expats beliebt macht. Für Dispositionskredite oder Kreditkarten erfolgt jedoch eine SCHUFA-Abfrage. Der Score verbessert sich durch regelmäßige Kontonutzung, Mietzahlungen und Versorgungsverträge. Nach sechs bis zwölf Monaten liegt meist eine belastbare SCHUFA-Auskunft vor.
Können Sie ein deutsches Konto vor dem Umzug eröffnen?
Ja, sofern der Anbieter dies ermöglicht. N26 erlaubt Kontoeröffnungen aus dem Ausland. Sie benötigen Reisepass und Smartphone mit Kamera. Die Video-Identifikation funktioniert weltweit. Das Konto erhält eine deutsche IBAN. Überweisungen können bereits vor Ankunft empfangen werden. Einige Funktionen sind jedoch erst mit deutscher Adresse nutzbar. Revolut bietet ebenfalls Kontoeröffnungen vor Ankunft, allerdings mit litauischer IBAN.
Traditionelle Banken verlangen in der Regel persönliche Anwesenheit in Deutschland. Einige Filialen der Deutschen Bank bieten Termine für Nicht-Residenten an, dies ist jedoch uneinheitlich. Commerzbank hat ähnliche Einschränkungen. Für ein traditionelles Konto vor dem Umzug sollten Sie die Bank direkt kontaktieren und sich über deren Richtlinien informieren. Rechnen Sie mit längeren Bearbeitungszeiten und umfangreicher Dokumentation. Die meisten Expats eröffnen zunächst ein digitales Konto und wechseln später.
Unterschied zwischen Dispositionskredit und Überziehungskredit
Diese Begriffe werden häufig synonym verwendet. Ein Dispositionskredit (Dispo) ist ein Überziehungskredit, der an Ihr Girokonto gekoppelt ist. Er ermöglicht es, bis zu einem festgelegten Limit über das Guthaben hinaus Geld auszugeben. Die Zinssätze sind hoch, typischerweise zwischen 10 und 15 % jährlich. Die Bank setzt das Limit basierend auf Einkommen und SCHUFA-Score fest. Eine separate Beantragung ist nicht erforderlich; die Bank bietet den Dispo an, und Sie können ihn annehmen oder ablehnen.
Der Überziehungskredit ist formal ähnlich, wobei der Dispo als informelle Überziehung gilt, während der Überziehungskredit ein formeller Kreditvertrag mit festem Limit und Laufzeit ist. Praktisch sind sie jedoch gleichzusetzen. Beide sind kostenintensiv. Eine längerfristige Überziehung ist deutlich teurer als ein Ratenkredit. Für Kreditbedarf ist ein Ratenkonto in der Regel günstiger.
Welche Unterlagen benötigen Sie für die Kontoeröffnung?
Bei digitalen Banken ist der Prozess unkompliziert. Sie benötigen einen gültigen Reisepass oder Personalausweis, ein Smartphone und gelegentlich einen Adressnachweis. N26 verlangt Pass und Video-Identifikation, Revolut Pass und Selfie, ING-DiBa Pass und Postident-Verfahren in der Postfiliale.
Bei traditionellen Banken sind mehr Dokumente erforderlich: Reisepass, Anmeldebestätigung und gegebenenfalls Aufenthaltstitel oder Visum. Einige Banken verlangen zudem Arbeitsvertrag oder Einkommensnachweis. Commerzbank und Deutsche Bank fordern oft einen Filialbesuch. Bringen Sie Originaldokumente mit, keine Kopien. Sind die Dokumente nicht auf Deutsch, sind beglaubigte Übersetzungen notwendig. Dies betrifft selten Pässe, jedoch häufig Heirats- oder Geburtsurkunden bei Gemeinschaftskonten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Kontoeröffnung
- Wählen Sie die Bank entsprechend Ihrer Bedürfnisse. Für ein Konto ohne Anmeldung eignen sich N26 oder Revolut. Für traditionelle Banken mit Anmeldung sind ING-DiBa, Commerzbank oder Deutsche Bank empfehlenswert.
- Laden Sie die App herunter oder besuchen Sie die Webseite. Für N26 steht die App im App Store oder Google Play bereit. Für ING-DiBa starten Sie die Online-Anmeldung über die Webseite.
- Bereiten Sie Ihre Unterlagen vor. Halten Sie Ihren Reisepass bereit. Für Video-Identifikation sorgen Sie für gute Beleuchtung und stabile Internetverbindung. Für Postident suchen Sie eine Postfiliale in Ihrer Nähe.
- Durchlaufen Sie den Identifikationsprozess. N26 nutzt IDnow oder vergleichbare Video-Verifizierung, die etwa fünf Minuten dauert. ING-DiBa sendet einen Code, den Sie bei der Post vorzeigen.
- Erhalten Sie Ihre IBAN und Kartendetails. N26 stellt die IBAN sofort bereit. Die physische Karte trifft innerhalb von fünf bis zehn Werktagen per Post ein. ING-DiBa versendet Karte und PIN separat.
- Aktivieren Sie Ihr Konto und richten Sie das Online-Banking ein. Laden Sie die App, melden Sie sich an und konfigurieren Sie die Sicherheitseinstellungen. Aktivieren Sie Push-Benachrichtigungen für Transaktionen.
- Informieren Sie Arbeitgeber und Vermieter. Übermitteln Sie Ihre neue IBAN für Gehalts- und Mietzahlungen. Aktualisieren Sie Lastschriften für Versicherungen und Versorgungsleistungen.
Folgen einer falschen Kontowahl
Das größte Risiko sind unerwartete Gebühren. Einige Banken verlangen Kosten für Geldabhebungen, Papierauszüge oder eingehende Auslandsüberweisungen. Lesen Sie die Vertragsbedingungen sorgfältig. Ein weiteres Problem ist eingeschränkte Funktionalität. Fehlt englischer Support, erschwert das den Kundenservice. Akzeptieren Vermieter und Arbeitgeber keine ausländischen IBANs, kann das Konto unbrauchbar sein.
Ein Bankwechsel ist jederzeit möglich. Deutschland bietet einen Kontowechselservice, der bei der Übertragung von Lastschriften und Daueraufträgen unterstützt. Die meisten Banken stellen diesen Service kostenfrei bereit. Bei Unzufriedenheit empfiehlt sich ein Wechsel innerhalb der ersten Monate. Lassen Sie sich nicht von Trägheit in einem ungeeigneten Konto festhalten. Der Wechselprozess dauert etwa zwei Wochen und ist unkompliziert.
Regionale Besonderheiten bei der Bankwahl
Die Bankenlandschaft in Deutschland ist fragmentiert. Volksbanken und Sparkassen sind regional organisiert, wobei jede Filiale eigene Gebühren und Richtlinien festlegt. In Bayern bieten Sparkassen häufig kostenlose Konten für Studierende an, während in Berlin einige Volksbanken höhere Gebühren verlangen. In kleineren Städten ist die Sparkasse oft die nächstgelegene Bank, während in Metropolen wie Frankfurt oder München eine größere Auswahl besteht.
Digitale Banken umgehen diese Problematik, da N26, Revolut und ING-DiBa bundesweit mit einheitlichen Preisen operieren. Die Nutzererfahrung ist somit unabhängig vom Wohnort, was für Expats, die häufig umziehen, ein erheblicher Vorteil ist. So entfällt der häufige Wechsel der Bankfiliale.
Häufig gestellte Fragen zu Bankkonten für Expats
Kann ich in Deutschland mehrere Bankkonten besitzen?
Ja, es gibt keine gesetzliche Begrenzung. Viele Expats führen ein digitales Konto für den täglichen Zahlungsverkehr und ein traditionelles Konto für Gehalt und Miete. Auch mehrere digitale Konten sind möglich. Beachten Sie jedoch, dass alle Konten bei der Steuererklärung angegeben werden müssen, selbst wenn das Guthaben gering ist.
Benötige ich ein deutsches Konto, wenn ich remote für ein ausländisches Unternehmen arbeite?
Nicht zwingend, aber es ist vorteilhaft. Gehaltszahlungen auf ein ausländisches Konto sind möglich, verursachen jedoch Wechselgebühren und Verzögerungen. Ein deutsches Konto erleichtert die Steuererklärung und minimiert Rückfragen vom Finanzamt. Für Freelancer ist ein deutsches Konto nahezu unerlässlich, um Rechnungen zu stellen und Ausgaben zu verwalten.
Was tun, wenn mein Visumantrag einen Nachweis über ein deutsches Konto verlangt?
Einige Visatypen, insbesondere Freelancer-Visa, erfordern einen Nachweis über finanzielle Mittel. Ein deutsches Konto mit ausreichendem Guthaben stärkt den Antrag. Idealerweise eröffnen Sie das Konto vor dem Visumstermin. Die sofortige IBAN von N26 ermöglicht dies auch bei knappen Fristen.
Gibt es spezielle Bankkonten für Studierende?
Ja, zahlreiche Banken bieten kostenlose Girokonten für Studierende unter 25 oder 30 Jahren an. ING-DiBa, Commerzbank und Sparkassen verfügen über solche Angebote. Ein Nachweis der Immatrikulation, meist die Immatrikulationsbescheinigung, ist erforderlich. Diese Konten sind gebührenfrei und bieten teilweise kleine Überziehungslimits.
Regelungen und Gebühren können sich ändern. Bitte informieren Sie sich vorab bei den zuständigen Stellen. Diese Informationen entsprechen dem Stand Anfang 2025. Aktuelle Details finden Sie auf den Webseiten von N26, der Deutschen Bank und der Bundesbank.