Photo by Vitaly Gariev on Unsplash
Wachsende Kritik am Rollout der elektronischen Patientenakte
Ein Jahr nach der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland verlangen Hausärzte sowie Verbraucherschutzverbände substanzielle Verbesserungen im System. Trotz ihres Potenzials, die Gesundheitskoordination zu optimieren und eine lebenslange Dokumentation der Patientendaten zu gewährleisten, sieht sich die ePA erheblicher Kritik hinsichtlich Implementierung und Nutzerfreundlichkeit ausgesetzt. Markus Beier, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, stellt heraus, dass andere Länder elektronische Akten erfolgreicher integriert haben, während die deutsche ePA primär als unsystematische Sammlung von PDF-Dokumenten fungiert, welche im ärztlichen Alltag kaum praktischen Mehrwert bieten. Zudem erschweren wiederkehrende technische Ausfälle den reibungslosen Betrieb.
Geringe Patientenakzeptanz und technische Hürden
Die Verbreitung der elektronischen Patientenakte unter den 74 Millionen gesetzlich Versicherten bleibt marginal, lediglich rund vier Millionen Nutzer sind registriert. Eine repräsentative Forsa-Umfrage für Verbraucherschutzorganisationen zeigt, dass obwohl die Mehrheit der Versicherten von der ePA Kenntnis besitzt, nur 18 Prozent ihre Akten eigenständig oder mittels Bevollmächtigter aktiv verwalten. Die technische Komplexität beim Zugriff und der Administration der ePA stellt eine wesentliche Barriere für eine breitere Nutzung dar; manche Patienten verlieren nach anfänglicher Begeisterung das Interesse. Hausärzte berichten, die ePA werde im Praxisalltag oft von anderen gesundheitlichen Anliegen überlagert.
Bedenken bezüglich Datenschutz und Privatsphäre
Der Datenschutz und die Vertraulichkeit sind nach wie vor zentrale Anliegen der medizinischen Fachkräfte. Eine aktuelle Befragung niedergelassener Ärztinnen und Ärzte ergab, dass beinahe 65 Prozent die ePA aus datenschutzrechtlicher Sicht als unsicher bewerten. Rund 72 Prozent äußern Skepsis gegenüber der Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht angesichts der umfangreichen Zugriffsrechte diverser Akteure im Gesundheitssystem. Diese Datenschutzbedenken untergraben das Vertrauen von Patientinnen, Patienten und Ärztinnen in die digitale Plattform und steigern die Forderungen nach deren Weiterentwicklung.
Verpflichtende Nutzung und praktische Auswirkungen für Expats
Seit Oktober 2025 sind Ärztinnen und Ärzte in Deutschland verpflichtet, neue Diagnosen und Befunde in der elektronischen Patientenakte zu dokumentieren. Für Expats, internationale Studierende und ausländische Arbeitnehmer bedeutet dies, dass ihre medizinischen Daten verstärkt digital im nationalen System gespeichert werden, was die Behandlung über verschiedene Leistungserbringer hinweg erleichtern kann. Gleichwohl deuten die derzeitigen technischen Schwierigkeiten und der geringe Nutzeranteil darauf hin, dass ausländische Patienten ohne ausreichende Deutschkenntnisse oder technische Hilfestellung vor Herausforderungen beim Zugriff und der Verwaltung ihrer ePA stehen könnten. Expats sollten daher proaktiv Beratung bei ihren medizinischen Versorgern suchen, um die Vorteile der digitalen Patientendokumentation umfassend nutzen zu können.
Insgesamt verdeutlicht die Kritik von Hausärzten und Verbraucherschutzverbänden den dringenden Bedarf an Verbesserungen in Bedienbarkeit, Systemstabilität und Datensicherheit, um den Ansprüchen von Patientinnen und Patienten sowie medizinischem Personal gerecht zu werden. Der Deutsche Hausärzteverband spricht sich für eine kontinuierliche Weiterentwicklung unter Einbeziehung praktischer Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag aus, um die ePA alltagspraktisch nutzbar zu gestalten.
Weitere Einzelheiten finden sich im Originalbeitrag auf Tagesschau: Ärzte fordern Nachbesserungen bei elektronischer Patientenakte.