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Wachsende Kritik am Rollout der elektronischen Patientenakte
Ein Jahr nach der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland fordern Hausärzte und Verbraucherschützer deutliche Verbesserungen am System. Obwohl die ePA die Gesundheitsversorgung besser koordinieren und lebenslange Patientendaten speichern kann, bekommt sie viel Kritik wegen Umsetzen und Nutzung. Markus Beier, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sagt, andere Länder haben elektronische Akten besser eingeführt, aber bei uns ist die ePA meist eine ungeordnete Sammlung von PDF-Dateien ohne praktischen Nutzen im Alltag. Hinzu kommen häufige technische Ausfälle, die die Nutzung erschweren.
Niedrige Patientenakzeptanz und technische Hürden
Von den 74 Millionen gesetzlich Versicherten nutzen nur etwa vier Millionen die ePA. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von Verbraucherschutzorganisationen zeigt, dass die meisten zwar von der ePA gehört haben, aber nur 18 Prozent ihre Daten selbst oder mit Bevollmächtigten verwalten. Die technische Komplexität hindert viele am Umgang mit der ePA, einige verlieren nach Anfangsinteresse den Bezug dazu. Hausärzte berichten, dass die ePA im Alltag oft hinter anderen gesundheitlichen Themen zurücksteht.
Datenschutzbedenken bleiben groß
Datensicherheit und Vertraulichkeit sind weiterhin wichtige Themen für Ärzte. Eine aktuelle Umfrage unter niedergelassenen Ärzten zeigt, dass fast 65 Prozent die ePA aus Datenschutzgründen als unsicher bewerten. Rund 72 Prozent bezweifeln, dass die ärztliche Schweigepflicht bei dem breiten Zugriff verschiedener Akteure im Gesundheitssystem ausreichend geschützt ist. Diese Datenschutzprobleme verringern das Vertrauen von Patienten und Ärzten und verstärken Forderungen nach Verbesserungen.
Pflicht zur Nutzung und praktische Folgen für Ausländer
Seit Oktober 2025 sind deutsche Ärzte verpflichtet, neue Diagnosen und Befunde in der ePA zu dokumentieren. Für Ausländer, internationale Studierende und Arbeitnehmer bedeutet das, dass ihre medizinischen Daten zunehmend digital im nationalen System gespeichert werden – was die Versorgung über verschiedene Anbieter erleichtert. Allerdings zeigen die technischen Schwierigkeiten und die geringe Nutzung, dass ausländische Patienten ohne ausreichende Deutschkenntnisse oder technische Hilfe Probleme mit der ePA haben könnten. Deshalb sollten Ausländer aktiv ihre Ärzte nach der Nutzung der ePA fragen, um möglichst gut von der digitalen Akte zu profitieren.
Insgesamt zeigt die Kritik von Ärzten und Verbraucherschützern, dass ePA-Benutzerfreundlichkeit, Systemstabilität und Datenschutz weiterhin verbessert werden müssen, damit die Erwartungen von Patienten und medizinischem Personal erfüllt werden. Der Deutsche Hausärzteverband fordert eine kontinuierliche Weiterentwicklung auf Basis praktischer Erfahrungen.
Weitere Informationen finden Sie bei Tagesschau: Ärzte fordern Nachbesserungen bei elektronischer Patientenakte.