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Iran-Krieg trifft deutsche Konjunkturstimmung schwer
Der anhaltende iranische Krieg hat die wirtschaftliche Grundstimmung bei deutschen Unternehmern nachweislich belastet, wie der ifo Geschäftsklimaindex belegt. Mit seinem Fall auf ein neues Tief seit der COVID-19-Pandemie spiegeln vor allem explodierende Energiepreise und unterbrochene Lieferketten eine erhöhte Unsicherheit wider, die sämtliche Branchen von Industrie über Dienstleistungen bis Handel und Bau erfasst.
Im Zeitraum März bis April 2026 erlebte der ifo-Index einen signifikanten Einbruch. Die Werte im März sanken auf 86,4 Punkte – ein markanter Rückgang gegenüber den Vormonaten – und setzten ihren Abwärtstrend im April angesichts persistenter geopolitischer Spannungen noch verstärkt fort. Laut ifo-Präsident Clemens Fuest raubt der eskalierende Konflikt die Hoffnungen auf eine baldige konjunkturelle Erholung.
Branchenspezifische Konsequenzen und steigende Energiekosten
Alle maßgeblichen Wirtschaftssektoren verzeichnen deutliche Verschlechterungen ihrer Geschäftsaussichten. Insbesondere der Chemiesektor stürzte mit dem Geschäftsklimaindex von -16,7 Punkten im Februar auf -25,0 Punkte im März ab, was Befürchtungen bzgl. Stellenabbau nährt. Der Tourismus sowie die Logistik stehen vor existenziellen Herausforderungen angesichts von Disruptionen und Kostendruck. Die Baubranche erlebt eine deutliche Eintrübung, ähnlich wie zu Beginn des Ukraine-Kriegs Anfang 2022. Die Landwirtschaft leidet ebenfalls unter den Folgen, nicht zuletzt aufgrund von Düngemittelknappheit infolge des Konflikts.
Die energetische Marktsituation trägt wesentlich zur aktuellen Misere bei. Die Eskalation im Iran führte zu Blockaden in der Straße von Hormus und stoppte LNG-Exporte aus Katar, was die Energiepreise massiv ansteigen ließ. Dies verteuert Produktionskosten und verschärft die allgemeine Inflation, wodurch deutsche Unternehmen erheblich belastet werden. Etwa 90 Prozent der deutschen Industriebetriebe melden direkte negative Auswirkungen infolge des Kriegs und der Energiepreissteigerungen.
Folgen für Expats, ausländische Fachkräfte und internationale Studierende
Für Expats und internationale Fachkräfte in Deutschland bedeutet die Verschlechterung der Geschäftslage eine erhöhte Unsicherheit hinsichtlich der Arbeitsplatzsicherheit, insbesondere in den Bereichen verarbeitende Industrie, Chemie und Bauwesen. Unternehmen verfügen über eine restriktivere Personalpolitik oder strukturieren betrieblich um, um auf die wirtschaftlichen Risiken zu reagieren. Zudem führen höhere Energiepreise zu deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten, insbesondere bei Heiz- und Stromkosten.
Internationale Studierende sind meist indirekt betroffen, sofern sie auf Nebentätigkeiten oder Praktika in betroffenen Branchen angewiesen sind. Branchen wie Tourismus oder Logistik, in denen viele Expats beschäftigt sind, verzeichnen rückläufige Aktivität, was die Beschäftigungschancen einschränkt.
Alle Residenten in Deutschland sollten Unternehmenskommunikationen bezüglich potenzieller ökonomischer Anpassungen aufmerksam verfolgen und ihre Haushaltsbudgets auf erhöhte Energie- und Lebenskosten anpassen. Es empfiehlt sich, die geopolitische Dynamik weiterhin genau zu beobachten und auf Hinweise von Arbeitgebern oder Hochschulen zu reagieren.